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Klitschko-Brüder sind keine Künstler
Gedanken von Andreas Stein, Geschäftsführer steindesign Werbeagentur
"Links!" "Rechts!" "Es geht nach links!" "Nein, rechts!" Kennen Sie noch diesen Werbespot? Richtig! Die Klitschko-Brüder. Auf einem Tandem mitten in der Wallachei. Etwas unbeholfen schauspielern sich die beiden bis zum wohlverdienten Pausensnack. Und vernaschen dann die süßen kleinen Schnitten. Schauspielerische Leistung? Minus 10. Sie sind eben Profis im Faustkampf und nicht in der Darstellung.
Doch halt! Was lese ich da in der Zeitung? Es gibt Menschen, die das anders sehen. In diesem Fall die Künstlersozialkasse. Die hält die Mitwirkung von Profisportlern in Werbespots für darstellende Kunst. Weil es sich um Szenen handelt, die einem Drehbuch folgen. Deshalb müsse auf Honorare von solchen Personen die Künstlersozialabgabe gezahlt werden. "Dass dabei möglicherweise kein hohes Niveau erzielt wird, ist rechtlich egal." Ich bin platt. Die Klitschko-Brüder: Künstler? Aha...
Ich lese weiter. Und schon ist meine Welt wieder in Ordnung. Nein, die Klitschkos sind keine Künstler. So urteilt jedenfalls das Bundessozialgericht in Kassel. "Sportler wie sie werden nicht wegen ihrer darstellerischen Fähigkeiten, sondern wegen ihrer Prominenz verpflichtet."
Sag ich doch... Also kein Beitrag für die Künstlersozialkasse. Wäre ja auch noch schöner, wenn jeder Laienschauspieler zum Künstler erhoben würde. Dann müsste meine Tochter sofort zur Kasse gebeten werden. Ihre Auftritte sind sensationell. Sie kann alles - von Komödie bis Tragödie. Zum Beispiel, wenn sie mir beweisen will, dass sie ohne die neuen weißen Turnschuhe von NIKE keinen Tag weiterleben kann. Wer dann zahlt? Na, ich natürlich. Aber zum Glück ja nur die Schuhe und nicht in die Künstlersozialkasse.
In die was-Kasse? werden Sie sich vielleicht fragen. Und was hat das mit mir zu tun? Nun, ganz einfach: Die Künstlersozialkasse ist eine vom Staat subventionierte Krankenkasse. Bei ihr können sich selbstständige Künstler und Publizisten krankenversichern. Die direkten Beiträge zahlen die Firmen, die sich beruflich mit der Vermarktung von Künstlern beschäftigen. Und die Firmen, die Leistungen von Künstlern einkaufen und in Anspruch nehmen. So weit so gut.
Dass wir als Werbeagentur zu diesem Kreis gehören, ist wohl klar. Und natürlich zahlen wir die für die Künstler geforderten Beiträge. Unsere Kunden wissen das zum Teil aber gar nicht. Und da kommen Sie ins Spiel. Denn hier könnte es auch für Sie gefährlich werden.
- 1. Falls Sie mit einer Agentur zusammenarbeiten: Wissen Sie, ob die die Künstlersozialabgaben auch korrekt bezahlt? Haben Sie das schon mal angesprochen? Besser wäre es. Denn sonst gibt’s nicht nur ne Verwarnung. Die Künstlersozialkasse kann die Beiträge im Zuge der Durchgriffshaftung direkt bei Ihnen einfordern. Und das kann echt teuer werden.
- 2. Was ist denn, wenn Sie selbst Künstler beschäftigen, also freie Grafiker, Fotografen oder Texter? Ja, Sie ahnen es schon. Natürlich müssen Sie für diese Leute ebenfalls Beiträge an die Künstlersozialkasse abführen. Nur wenn die Künstler eine Kapitalgesellschaft betreiben, ist es anders.
- 3. Und es kommt noch dicker: Wenn Sie eine Werbeagentur beschäftigen, die keine Kapitalgesellschaft ist, dann sind alle Leistungen dieser Agentur für Sie abgabepflichtig... Zurzeit sind es rund 5% - wenn Sie erfasst werden - rückwirkend auf 5 Jahre. Oha! 100.000 Euro p.a. x 5 Jahre x 5% = 25.000 Euro. Hüstel...
Nun ja, wenn Sie sich nun vollständig verunsichert fühlen, so lesen Sie doch mal unter www.kuenstlersozialkasse.de die Bestimmungen durch... Die Bedienung eines Atomkraftwerkes scheint dagegen zwar ein Kinderspiel zu sein. Aber in jedem Fall gilt: Sie sind in der Haftung. Weder Unwissenheit noch Dummheit schützen vor Strafe und Nachzahlungen. Und mit einer schweren Kindheit werden Sie sich ausnahmsweise auch nicht rausreden können.
Solange Sie also noch nicht erwischt wurden, habe ich einen Vorschlag: Spenden Sie doch, um Ihr Gewissen zu beruhigen, an einen gemeinnützigen Verein, der sich zur Aufgabe setzt, wenigstens ein Minimum an schauspielerischer Ausbildung zu gewährleisten. Denn niemand braucht im Fernsehen Schauspieler, die gar keine sind und sich bis auf die Knochen blamieren. Wenn Sie schon bewusst auf die Künstlersozialabgaben verzichten, dann sorgen Sie wenigstens hier für Qualität.
Und wenn’s hart auf hart kommt: Gönnen Sie sich doch die ein oder andere Milchschnitte. Dann werden Sie so groß und stark wie Vitali und Wladimir Klitschko und können Ihren Widersachern ordentlich eins auf die Mappe hauen.
Also, reinbeißen und dranbleiben, Ihr Andreas Stein
Rudi Freundlich
20.03.2008 12:34 Uhr










